Die Raumprojektion in the loop, London – Berlin zeigt die Panoramen beider Städte. Einmal aufgenommen aus dem sich drehenden Telecafe des Berliner Fernsehturms am Alexanderplatz, zum anderen aus einer Gondel des Riesenrads London Eye, welches sich an der Themse befindet.
Anders als bei der sachlich treuen Wiedergabe der Vedute, bilden die Metropolen kein Gegenüber: eine Grenze zwischen Stadt und Land ist nicht sichtbar, auch verschafft man sich keinen Überblick zwischen Zentrum und Peripherie. Der Blick in die Ferne, das auf den Horizont sich projizierende, sehsüchtige Ich wird mit einer urbanen Unausweichlichkeit konfrontiert. Wo befinde ich mich? Wie bewege ich mich? sind Fragen, die noch leibhaftig an den Raum gebunden sind. Hier jedoch wird der Raum, unterstützt durch die verschiedenen Drehbewegungen, entkörperlicht und vertreibt uns vom Horizont der Erde in ein Alleinsein. Dennoch – diese Orte besitzen eine hohe Attraktivität als Treffpunkt für Liebende, um sich gerade hier einer Begegnung zu versichern.
Belá Bartóks „Katonanóta“ begleitet die Projektion. Beide Geigenstimmen sind entkoppelt und werden einzeln in Lautsprechern wiedergegeben. Nur wenige Positionen im Raum ermöglichen es, den harmonischen Gleichklang beider Stimmen wahrzunehmen.
Ursula Neugebauer |